Friedrichstadt – Eine Stadt der religiösen Toleranz

Von Beginn an war Friedrichstadt als eine Stadt der Toleranz geplant. Als Herzog Friedrich III. von Schleswig-Gottorf die Stadt 1621 gründete, gewährte er ihren Bürgern umfassende Religionsfreiheiten. Damit wollte der Herzog religiös verfolgte Kaufleute und Bürger aus ganz Europa anlocken und für sein Stadtprojekt gewinnen. Diese Einstellung stieß aber auch auf Ablehnung und war in einer Zeit der religiösen Spannungen und des bereits tobenden Dreißigjährigen Krieges außergewöhnlich.

Remonstranten

Die erste Zielgruppe von Friedrich III. waren die holländischen Remonstranten. Diese Religionsgemeinschaft wurde in ihrer Heimat religiös verfolgt, nachdem es zu einer Spaltung der reformierten Kirchen in den Niederlanden gekommen war. Holland galt zu dieser Zeit als Welthandelsmacht. Viele der geflohenen Remonstranten waren daher sehr wohlhabend und zudem geschickte Händler. Obwohl die Remonstranten zahlenmäßig nie zu den größten Gruppen gehörten, besaßen sie aufgrund ihres Wohlstands und der zahlreichen zugesicherten Sonderrechte einen großen politischen Einfluss in der Stadt.

Mennoniten

Viele der eigens angeworbenen Mennoniten stammten zum größten Teil aus Ostfriesland und den Niederlanden. Unter den Gläubigen befanden sich auch hier zahlreiche Händler und Handwerker. Damit zählten die Mennoniten bald zu einer der vermögendsten Gruppen innerhalb der Stadt. Ab dem 18. Jahrhundert ging die Zahl der mennonitischen Einwohner nach einem Höchststand von 400 Mitgliedern stetig zurück. Seit 1925 gibt es keinen mennonitischen Pfarrer mehr in der Stadt. Heute leben noch 30 Vertreter dieser Glaubensgemeinschaft in Friedrichstadt.

Katholiken

Auch die römisch-katholischen Christen hatten im lutherischen Schleswig-Holstein mit religiösen Verfolgungen zu kämpfen. Unter anderem um das katholische Spanien gnädig zu stimmen, gewährte Friedrich III. 1624 der katholischen Glaubensgemeinschaft eine eingeschränkte Religionsfreiheit innerhalb der Stadt. Sie durfte unter anderem eine eigene Kirche, jedoch ohne Turm, errichten und unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihren Gottesdienst verrichten. 1750 erreichte die katholische Glaubensgemeinschaft mit 120 Mitgliedern ihren Höchststand. Heute verfügt die Gemeinde über etwa 80 Mitglieder.

Juden

Herzog Friedrich III. versuchte zuerst spanische Juden für sein Stadtprojekt zu gewinnen, da diese als besonders geschickte Händler galten. Dies scheiterte jedoch am Widerstand der spanischen Krone. Aus diesem Grund wurden 1675 deutsche Juden angeworben. Die Gemeinde wuchs bis 1850 auf über 500 Mitglieder und stellte für gut 100 Jahre die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft der Stadt.

Die Zahl der Gläubigen ging jedoch aufgrund von Abwanderung im Laufe der Zeit stark zurück. 1933 lebten nur mehr 32 Juden in Friedrichstadt. Durch den Nationalsozialismus wurde die verbliebene jüdische Gemeinschaft komplett zerstört. Heute erinnern zwei Friedhöfe, das Synagogengebäude und 25 Stolpersteine an die jüdische Glaubensgemeinschaft.

Lutheraner

Schleswig-Holstein war und ist lutherisch und entsprechend viele Lutheraner zogen aus dem direkten Umland nach Friedrichstadt. Im Gegensatz zu den Mennoniten und Remonstranten war diese Glaubensgemeinschaft jedoch relativ arm. So konnte sie erst 1643, 22 Jahre nach der Stadtgründung, mit dem Bau einer eigenen Kirche beginnen.

Auch heute noch stellen sie die bei weitem größte Glaubensgemeinschaft in Friedrichstadt, mit ungefähr 1.700 Gemeindemitgliedern.