Wie alles begann

Friedrich III., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf gab Friedrichstadt den Namen. 1616 wurde er Nachfolger seines Vaters Herzog Johann Adolf auf Schloss Gottorf. Um die herzoglichen Kassen zu füllen, wollte Friedrich III. neue Wege gehen, in dem er etwa den Außenhandel stärkte. Zu seinen Ideen zählte die Gründung einer neuen Stadt durch Niederländer, die als die besten Kaufleute ihrer Zeit galten. So entstand Friedrichstadt.

Doch das frühe 17. Jahrhundert war keine gute Zeit für Stadtgründungen. Hamburg und Lübeck waren längst als Handelsstädte etabliert. Zudem blieb das Herzogtum nicht von Verwüstungen durch verschiedene Kriegsparteien verschont, denn der Dreißigjährige Krieg hatte begonnen.

Zwei Vorhaben sollten den Niederländern in Friedrichstadt den wirtschaftlichen Erfolg bringen: zum einen die "Spanienfahrt", die die iberische Halbinsel mit Getreide versorgte und von dort Salz importierte. Allerdings verhinderten die Spanier eine Teilnahme der Friedrichstädter an diesem lukrativen Geschäft, denn sie behandelten sie nicht wie Untertanen des Herzogs sondern betrachteten sie als feindliche Niederländer. Auch der Plan, über eine kombinierte See- und Landstrecke eine neue Handelsverbindung mit Persien zu schaffen und die von dort importierten Waren über Friedrichstadt auszuführen, scheiterte.

Ebenso wenig brachte die Ansiedlung von Protestanten aus Süd- und Mitteldeutschland den erhofften Aufschwung.

Als Herzog Friedrich III. am 10. August 1652 in Tönning starb, hatte sich seine "Friedrichstadt" nicht zu der von ihm erträumten Handelsstadt entwickelt. Dennoch hatte der Herzog für seine Zeit Weitblick bewiesen: die Religionsfreiheit, die er den niederländischen Glaubensflüchtlingen anbot, dehnte er auch auf Angehörige anderer Religionsgemeinschaften aus. So wurde Friedrichstadt eine religiöse Freistatt, deren Toleranz zwar wirtschaftlich begründet war, die aber doch im Laufe der Jahrhunderte vielen eine Zuflucht bot.

Die Stadtgründung

Am 21. September 1621 wurde der Grundstein für das erste Haus in Friedrichstadt gelegt. Herzog Friedrich III. hatte den niederländischen Siedlern weitreichende Privilegien gewährt. Neben Religionsfreiheit auch Zoll- und Steuerfreiheit für zwanzig Jahre, freie Holzlieferungen, Darlehen, die Gründung einer Schiffsbaukompanie und das Markt- und Münzrecht.

Als Bauland bot der Herzog den Niederländern ein Areal zwischen den Flüssen Eider und Treene an, das bereits fünfzig Jahre zuvor durch die künstliche Abdämmung der Treene und ihre Einleitung in die Eider mittels zweier Kanäle urbar gemacht worden war.

In den folgenden Jahren errichteten die Siedler eine Stadt nach niederländischem Vorbild, mit künstlichen Wasserstraßen, giebelständigen Häusern und einem rechtwinkligen Stadtplan. Auch die Verfassung der Stadt und ihre Verwaltung wurden nach niederländischem Vorbild organisiert.

Bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die Ratsprotokolle auf Niederländisch verfasst. In den Kirchengemeinden der Remonstranten und Mennoniten wurde bis in 19. Jahrhundert hinein in dieser Sprache gepredigt. Noch heute wird in der Remonstrantenkirche der Segen und das "Vater unser" auf Holländisch gesprochen.

Die Beschießung 1850 - Friedrichstadts Inferno

Vom 29. September bis zum 4. Oktober 1850 war Friedrichstadt Kriegsschauplatz in der Auseinandersetzung zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark um die Unabhängigkeit Schleswig-Holsteins. Dänische Truppen hatten die mit ihrem Übergang über die Eider strategisch wichtige Stadt besetzt, die Schleswig-Holsteiner wollten sie zurückerobern.

Von ihren Kanonenbooten auf der Eider aus beschossen sie die Stadt. Durch das Bombardement brannten 137 Häuser nieder, darunter das Rathaus und die Kirche der Remonstranten. 285 Häuser waren mehr oder minder stark beschädigt, zahlreiche Menschen wurden verwundet oder getötet, viele Bürger büßten ihren gesamten Besitz ein. Den schleswig-holsteinischen Truppen gelang es nicht, die Dänen zu vertreiben. Sie verloren ihren Kampf um ein unabhängiges Schleswig-Holstein und hatten dabei eine Stadt geopfert, in der viele Befürworter dieser Unabhängigkeit lebten.

Für Friedrichstadt war die Beschießung eine wirtschaftliche Katastrophe. Viele Bürger hatten ihre Lebensgrundlage verloren. Zwar bemühte man sich, die Stadt schnell wieder aufzubauen, und dabei den ursprünglichen Grundriss zu bewahren. Doch gingen wertvolle Zeugnisse der niederländischen Kultur durch das Bombardement verloren.
An die Beschießung Friedrichstadts erinnern einige Gedenksteine, u. a. an der lutherischen Kirche und auf dem Stadtfeld. Eine ganze Wand voller Kanonenkugeln findet man am südlichen Ende der Stadt, Am Fürstenburgwall 1.

Religiöse Vielfalt in Friedrichstadt

Heute gibt es in Friedrichstadt bei 2600 Einwohnern fünf verschiedene Glaubensgemeinschaften: Remonstranten, Lutheraner, Mennoniten, Katholiken und dänische Lutheraner feiern hier ihre Gottesdienste. Die ehemalige Synagoge und zwei Friedhöfe zeugen vom einst blühenden jüdischen Leben, das durch die NS-Zeit ausgelöscht wurde.

Auch Angehörige verschiedener Sekten und heute unbekannter Glaubensrichtungen fanden hier eine Zufluchtsstätte.